Wiener Frauenkunst

„...malende, strickende, Keramik verfertigende, edles Material dilettantisch vergeudende Hofratstöchter und sonstige Fräulein aus gutem Hause…“ brauche man in Wien nicht, war das vernichtende Urteil von Adolf Loos und seine Reaktion auf jene weiblichen Künstler, die sich in der Vereinigung „Wiener Frauenkunst“, quasi einer „Weiblichen Secession“, in den 20er Jahren des 20. Jhd. zusammengefunden hatten. Diese seine Haltung spiegelt die damalige, generelle Wertigkeit der Frauen in einer männerdominierten Welt wider, die in Österreich nur langsam aufgebrochen werden konnte (z.B. erstmals Führerschein für eine Frau 1915, allgemeines Frauenwahlrecht erst ab 1918, Studium an der Akademie der Bildenden Künste erst ab 1919, erste promovierte Juristin 1921).

Emanzipation in der Kunst
Eine engagierte Kämpferin für die Sache der Frauen war Fanny Harlfinger-Zakucka, eine vielschichtige Künstlerin aus Mank (Bezirk Melk), sie war Malerin, Grafikerin und „wagte“ es sogar, Möbel zu entwerfen, dies in einem ausschließlich männerdominierten Feld. Sie gründete 1926 die als linksliberal einzustufende „Vereinigung der Wiener Frauenkunst“, in der in neuen, raumkünstlerischen Ausstellungsformaten progressive, zukunftweisende und international beachtete Projekte präsentiert wurden – bis 1938, als die Nationalsozialisten sowohl der „entarteten Kunst“, der linksliberalen Haltung und auch dem Bild der gleichberechtigten Frau ein jähes Ende bereiteten. Viele Anliegen und Ansätze von Fanny wurden in Österreich erst in den 1970er Jahren wieder aufgegriffen. Da war sie schon mehr als 15 Jahre tot.
Das Niederösterreichische Landesmuseum in Krems erzählt in seiner Ausstellung „Wiener Moderne – weiblich.widerständig“ die Geschichte der Gruppe um Fanny Harlfinger-Zakucka und versucht damit, das traditionelle Bild der Wiener Moderne um die bislang vergessenen Stimmen und Werke der weiblichen Proponenten zu erweitern. Die Eröffnung am 11.4. war überaus gut besucht, die Ausstellung selbst (bis Jänner 2027) gelungen kuratiert und hat meinen persönlichen Eindruck über diese Zeit erheblich ergänzt.
Sehenswert! 

 

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