Geschichtlich, in der Architektur und kulinarisch sowieso! Es war...
Geschichtlich, in der Architektur und kulinarisch sowieso! Es war einmal in großes Habsburgerreich. Ein Reich mit vielen Kulturen, vielen Sprachen und natürlich auch mit vielen kulinarischen Ausrichtungen. Das Habsburgerreich gibt es zwar schon lange nicht mehr, aber die vielen unterschiedlichen Küchen sind geblieben, haben sich vermengt und sind grenzüberschreitend auf den Tellern gelandet.
Wir haben uns im Zuge einer Recherche angesehen, wo es in Slowenien Spuren österreichischer Küche gibt und wie diese schmeckt. Gleich vorab: Natürlich schmeckt sie köstlich!
Gestartet sind wir dabei nahe der österreichischen Grenze, bei Gostisce Vracko. Dort stand – jahreszeitengemäß – der Bärlauch im Mittelpunkt. In Form von Suppe und anschließend als Püree zum Zander war er auf den Punkt gebracht und in Kombination mit einem genialen Brot und Weinen vom eigenen Weingut, war das ein mehr als würdiger Start.
Apropos Wein: Die Weiterfahrt nach Maribor zeigte nicht nur eine entzückende Stadt, sondern dort ist der absolute Pflichtbesuch jener bei der ältesten Rebe der Welt. Seit mehr als 400 Jahren wächst sie beim Haus der alten Rebe an den Originalwurzeln und ergibt jährlich rund 30 Liter Wein aus der Sorte Schwarzsamtene bzw. Blauer Kölner. Pro Jahr werden in etwa fünf Ableger vergeben und ihre Nachkommen finden sich auf der ganzen Welt. Wein verkosten und Wein kaufen ist im Haus der alten Rebe unbedingt angesagt!
www.marburg-tourismus.de
Viel Optik, viel Geschmack, viel Freude!
Weil jetzt bereits Abend ist und wir immerhin schon seit einigen Stunden nichts mehr gegessen hatten, war unser nächster Programmpunkt das Abendessen, das uns ins Tabar nach Ljubljana ins Center Rog führte. Das Restaurant verteilt sich auf zwei Stockwerke, und während unten an der – sehr großzügigen – Bar vorwiegend Fisch- und Fleischgerichte serviert werden, zelebriert im ersten Stock Jakob Pintar ein Blind-Tasting-Menü mit Schwerpunkt auf Gemüse aus seinem Garten.
Was dort als Fine Dining in elf Gängen serviert wird, sprengt so ziemlich jede Vorstellungskraft. Unter dem Motto: „Vom Wald, über die Wiese, den Garten zum Fluss bis hin zum Meer“ kamen genau diese Vertreter auf den Tisch. Kreiert in außergewöhnlichen Kombinationen und serviert in ebenso außergewöhnlicher Optik. Unter anderem mit dabei eine Buttermilch, die in einem Kuhhorn kam, das Kärntner Roggenbrot mit Thunfischbauch, Apfel und Kaviar, das als „Sämann“ kam, ein Gericht namens „Bürger“, das Wintersalate mit Austern und Topinambur beinhaltete oder „Widerstand“, das sich als Forelle mit Schwarzwurzel entpuppte. Müßig zu sagen, dass der Genuss ziemlich grenzenlos war.
tabar.si
Die Jose Plecnik Stadt
Natürlich darf ein Stadtbummel durch Ljubljana nicht fehlen und diese Stadt entpuppte sich als eine wahrliche Perle. Schöne alte (Gründerzeit)Häuser, viel Grün, eine Altstadt mit großer Fußgängerzone und einem Stadtbild, das in manchen Bereichen Wien verblüffend ähnelt. Ja genau, die Habsburger lassen grüßen.
Der Stadt ihren Stempel aufgedrückt hat der Architekt Jose Plecnik, ein Schüler Otto Wagners, der nicht nur halb Ljubljana gebaut, sondern auch geplant hat. Die Basis war die Konzipierung in zwei Achsen, nämlich der Landachse, der Grünen Promenade und parallel dazu die Wasserachse, die entlang der Promenade führt. Sein wohl berühmtestes Werkt ist die Prager Burg Die Triple Bridge, ein Wahrzeichen von Ljubljana, geht ebenso auf ihn zurück, wie die National- und Universitätsbibliothek. Sie hat einen Bestand von über 3 Millionen Bücher und wenn man den Lesesaal betritt, der nur am Samstag Nachmittag für Besucher geöffnet ist, umfängt einen ehrfürchtige Stille. Diese Stille wird nur noch an Wochentagen übertroffen, wenn hier die Studenten pauken.
Auch zwei extra von und für ihn gebaute Trafiken auf dem Weg von seiner Wohnung in die Innenstadt, damit der Kettenraucher immer gut versorgt war. Diese Trafiken sind zwar nicht mehr in Betrieb, aber stehen noch immer noch, eine davon direkt gegenüber der National- und Universitätsbibliothek.
Ljubljana besticht nicht nur mit seiner Geschichte und der schönen Altstadt mit den historischen Bauten, sondern kann noch viel mehr: Die Burg, die einmal auch im Besitz der Habsburger war, als Begründer der Sängerknaben, und dann hat Ljubljana die größte zusammenhängende Fußgängerzone in der EU, nämlich mehr als 20 ha.
Und nachhaltig ist man auch: E-Scooter und E-Räder und der „Kavalir“ als Ruftaxi bringt die Leute von A nach B. Kostenlos, wohlgemerkt. Fahrradverleihe sind in der ganzen Stadt verstreut und kostenlos zu leihen. Und zwar nach Registrierung und einer Zahlung von drei Euro im Jahr. Dann kann losgeradelt werden und zwar ziemlich grenzenlos. Zwar muss nach einer Stunde eine Pause eingelegt werden, aber dann kann es gleich weitergehen.
https://www.visitljubljana.com
Wien trifft Slowenien – bei der Kitchen Party
Schon lange nichts mehr gegessen? Das geht natürlich gar nicht. Also starten wir los nach Horjul ins Restaurant Gric. Dort kocht Luka Koširs mit regionalem Fokus und dem Anspruch auf Zero Waste. Er fermentiert viel und experimentiert viel mit Geschmäckern. 80 Prozent seines Gemüses und 50 Prozent seiner Früchte komme aus dem eigenen Garten und der Rest aus einem Umkreis von maximal fünf Kilometern. Luka Koširs schaut aber auch über Sloweniens Grenzen und lädt dazu Köche aus anderen Ländern ein. So geschehen auch bei unserem Besuch und da stand – Überraschung - Wien, auf dem (Speise)Plan. Und so kochten Oliver Leitner vom Weingut Wachter Wiesler, Daniel Leitner vom Restaurant Lercher sowie Martin Nuart und Phillip Medved von Bär und Schaf Wirtschaft groß auf. Während ihrer Zeit in Wien arbeiteten sie eng zusammen und sammelten gemeinsame Erfahrung im renommierten Restaurant Steirereck. Gemeinsame Erinnerungen, nicht kulinarischer Art, wurden aufgefrischt und jeder der Köche kochte ein Gericht, dessen Wurzeln in der Wiener Küche liegen, aber auf moderne Art interpretiert wurde.
Wir aus der Fraktion der Genießer lernten dabei unter anderem dass Sellerie gut zu Lauch passt – und luftig in Weiß gehalten – wie der perfekte Hochzeitsteller aussieht und auch, dass eine Krautroulade ein Fine Dining Gericht sein kann. Schwierig zu beschreiben, wie beeindruckend auch die Optik war und wie köstlich die Gerichte aussahen und schmeckten! Was war das Highlight? Ich traue mich es ja gar nicht zu schreiben, aber es war tatsächlich das Wiener Schnitzel, das uns alle aus den Angeln hob. Als echter Wiener schon mit etlichen sehr guten Schnitzeln verwöhnt, war dieses mit Sicherheit eines der besten. Wie bei Oma schmeckte es und besser kann man es eigentlich nicht beschreiben.
Die Kitchen Party kostet 100,00 € pro Person und zusätzlich 40,00 € für die Weinbegleitung Gebucht werden kann nur beides gemeinsam)und ist auf 70/80 Personen limitiert. Inklusive sowohl interessanter, als auch launiger Gespräch mit den Köchen und vor allem dem „ihnen über die Schulter schauen dürfen“. (
Neben dem kulinarischen Hochgenuss ist es vor allem die lockere, entspannte Stimmung, die den Abend zu etwas Besonderem macht. Der offiziell von 18 bis 22 Uhr dauert, aber dann im Keller bei Wein, Mortadella, Prosciutto und Käse munter weitergeht.
gric.si/
Ein Tag zum Ausruhen
Der Abend war ein Hochgenuss, aber essenstechnisch von so vielen Eindrücken garniert, dass am Folgetag etwas Ruhe vonnöten war. Also ging es auf nach Bled, wo wir die Burg und die Kapelle im See besuchten. Herrliche Ruhe, ein strahlend sonniger Tag und das Ziehen an der Glocke, damit ein Wunsch in Erfüllung gehe, waren ein Labsal. Wallfahrten sind hier an der Tagesordnung, und obwohl bei unserem Besuch keine Wallfahrer zu sehen waren, konnte man die Ruhe und - fast möchte man sagen - Erhabenheit, des Ortes förmlich spüren. Aber auch hier durfte die Kulinarik natürlich nicht fehlen, und was ist es hier wohl geworden? Natürlich die allseits bekannte Cremeschnitte Bled, die alle Erwartungen erfüllte. Und genossen mit der besten Aussicht vom Restaurant der Burg. Und siehe da, auch in Bled fand sich ein Ableger der ältesten Rebe der Welt, womit sich der Kreis langsam schließt.
www.bled.si
Der Einfluss der österreichischen Küche war auf dieser Reise nicht zu übersehen, wenn auch manchmal in leicht abgewandelter Form. Und umgekehrt freuen wir uns in Österreich doch immer über Prekmurska gibanica, ein mit Walnüssen, Mohn, Topfen und Äpfeln gefüllter Blätterteig oder auch die Štruklji-Knödel, die mit unterschiedlicher Füllung daher kommen.
Das Essen ist manchmal ganz ähnlich und manchmal ganz anders (was nicht wundert, denn hier ist ja auch z.B. das Meer nicht weit, was sich in Österreich eher schwierig gestaltet), die Stadtbilder ähneln in vielen Bereichen den unsrigen, aber nicht immer. Was aber immer der Fall war, das war die Begegnungen mit freundlichen Menschen. Die Slowenen sind gastfreundlich, man kann es nicht anders bezeichnen. Und vor allem das macht den Charme des Landes aus.
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